Die Pflegeversicherung ist ein Zweig der Sozialversicherung und neben der Krankenversicherung eine der wenigen gesetzlichen Pflichtversicherungen. Jeder Bürger muss sich kranken- und pflegeversichern; umgekehrt kann die gesetzliche Krankenversicherung keinen Aufnahmeantrag ablehnen. Diese Situation wird Abschluss- beziehungsweise Kontrahierungszwang genannt. Die Pflegekasse ist als Träger der gesetzlichen Pflegeversicherung der jeweiligen GKV oder privaten Krankenversicherung (PKV) zugeordnet. Der Monatsbeitrag zur Kranken- und zur gesetzlichen Pflegeversicherung wird in einer Summe an die ausgewählte Krankenkasse bezahlt und dort intern aufgeteilt.

Pflegesituation vergleichbar mit Rentensituation

In der heutigen Zeit ist es ein gesellschaftliches Dauerthema, dass die gesetzliche Rente für den Lebensabschnitt nach dem Erwerbsleben nicht ausreichend hoch ist, um den bisherigen Lebensstandard Eins zu eins aufrechterhalten zu können. Die sogenannte Rentenlücke ist in den meisten Fällen so groß, dass sie sich nur teilweise durch eine zusätzliche private Rentenversicherung ausgleichen lässt. Das gelingt den Wenigsten. Regelrecht prekär wird die Situation für den Hinterbliebenen als Ehe-/Lebenspartner, wenn der Verstorbene das Hauptrenteneinkommen bezogen hat. Ähnlich, und zwar in deutlich

verschärftem Maße ist die Situation bei der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Während der Rentner, wie es genannt wird, im Bedarfsfall den Gürtel enger schnallen, also mit weniger Einkommen auskommen kann, ist das bei Pflegebedürftigkeit so nicht möglich. Pflege und chronische Krankheit stehen meistens in einem direkten Zusammenhang. An dem damit verbundenen Pflegeaufwand kann nicht gespart werden; infolgedessen müssen auch die dadurch verursachten Kosten bezahlt werden. Hier hilft kein Schieben oder Weglassen. Nach dem Selbstverständnis in unserer Gesellschaft wird auf jeden Fall zuerst gepflegt und erst anschließend nach dem Kostenträger gefragt. Das ist der kritische Punkt, an dem eine private Pflegeversicherung ins Spiel kommen muss.

Eigenständigkeit des Pflegebedürftigen durch finanzielle Unabhängigkeit

Der Pflegebedürftige ist einerseits Empfänger aller Pflegegeldzahlungen und andererseits der Zahlungspflichtige für die Pflege mit ihren verschiedenen Kostenarten. Insofern sollte er bestenfalls schon in jungen Jahren dafür sorgen, dass seine spätere Pflege nach dem jeweiligen Pflegegrad bezahlbar sein wird. Art, Umfang, Intensität und Dauer einer möglichen Pflege sind nicht voraussehbar. Der „Worst Case“ ist die dauerhafte Heimunterbringung wegen Pflegebedürftigkeit in einem der höheren Pflegegrade. Diese Kosten setzen sich aus den beiden großen Blöcken Pflegebedürftigkeit und Heimaufenthalt zusammen. Das ergibt leicht einen mittleren vierstelligen Betrag.

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt die Kostenarten der Pflege, allerdings selten bis gar nicht in voller Höhe. Hier verbleibt erfahrungsgemäß eine Finanzierungslücke zu Lasten des Pflegebedürftigen. Für den Kostenblock Heimunterbringung gibt es außer dem Pflegebedürftigen keinen Kostenträger. Zur Deckung dienen sein Einkommen und Vermögen; das eine bis auf ein Taschengeld, das Vermögen in voller Höhe. In vielen Fällen verbleibt auch hier eine ungedeckte Finanzierungslücke für den Pflegebedürftigen. An seiner Heimunterbringung führt kein Weg vorbei, und somit auch nicht an deren Bezahlung. Hier in Deutschland als einem Sozialstaat hilft jetzt die öffentliche Hand mit Stadt oder Landkreis. Das geschieht immer subsidiär, also nachrangig. Erst wenn alle denkbaren Einnahmemöglichkeiten ausgeschöpft sind, zahlt der Staat den ungedeckten Restbetrag als Transferleistung. An dieser Stelle wird unter Berücksichtigung von gesetzlichen Freigrenzen die Unterhaltspflicht von Familienangehörigen geprüft.

Vereinfacht gesagt: Der Staat zahlt die Pflegekosten und holt sich das Geld vom Pflegebedürftigen sowie von den Unterhaltspflichtigen zurück. Der Pflegebedürftige ist nicht mehr sein eigener Herr. Er kann über sein Einkommen und Vermögen nicht selbst entscheiden, ebenso wenig wie die Unterhaltspflichtigen. Um diese Situation zu umgehen und, wie es gern genannt wird, um dem Staat nicht zur Last zu fallen, muss der Pflegebedürftige von morgen schon heute für eine absolute finanzielle Unabhängigkeit sorgen. Dazu verhilft die private Pflegeversicherung.

Varianten der privaten Pflegezusatzversicherung

  • Pflegekostenversicherung
  • Pflegerentenversicherung
  • Pflegetagegeldversicherung
  • Pflege Bahr (staatl. geförderte Pflegetagegeldversicheurng)

Pflege-Bahr – Pendant zur Riester-Rente
Diese Form der privaten Pflegetagegeldversicherung ist benannt nach dem damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr [FDP]. Bei einem Monatsmindestbetrag von 10 Euro besteht der Anspruch auf eine staatliche Zulage in Höhe von monatlich 5 Euro. So kann diese private Pflegeversicherung um maximal die Hälfte aufgestockt, in dem Sinne erhöht werden. In dem Gesetz über Pflege-Bahr ist Näheres über die gegenseitigen Rechte und Pflichten von Versicherer und Versichertem geregelt. Pflege-Bahr erleichtert jedem Versicherten den Abschluss einer adäquat hohen privaten Zusatzversicherung im Hinblick auf eine spätere Pflegebedürftigkeit.

Der Versicherte kann sich recht genau ausrechnen
• wie hoch sein Pflegebedarf bei welchem Pflegegrad in welcher Pflegesituation sein wird
• wie hoch die Zahlung der gesetzlichen Pflegeversicherung sein wird
• welcher Restbetrag durch eine private Pflegezusatzversicherung finanziert respektive gedeckt werden soll oder muss

Feststeht, dass ohne eine private Vorsorge die Kosten für eine spätere Pflegebedürftigkeit auf keinen Fall durch die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckt sein werden. Eine dauerhafte Heimpflege ist meistens „die allerletzte Entscheidung“. Doch auch die häusliche Pflege durch den ambulanten Pflegedienst oder durch eine häusliche Pflegehilfe ist immer mit Kosten verbunden. Bildlich gesprochen bekommt der Pflegebedürftige alle Rechnungen auf den Tisch und muss sie jetzt anhand seines Gesamteinkommens bezahlen. Das ist nur dann möglich, wenn die verschiedenen Einnahmen in ihrer Summe ausreichend hoch sind. Geht diese Rechnung nicht auf, hilft der Staat. Das geht in vollem Umfange zu Lasten des Pflegebedürftigen, und zusätzlich noch zu Lasten der Unterhaltspflichtigen. Dazu ist der Staat verpflichtet. Er hilft, aber nur und erst dann, wenn sich der Betroffene wirklich nicht mehr selbst helfen kann. Dann ist es vorbei mit der Eigenbestimmtheit.

Als Fazit bleibt festzuhalten
dass jeder Bürger gut daran tut, mit einer privaten Pflegeversicherung für die wahrscheinliche Pflegebedürftigkeit im späteren Alter finanziell vorzusorgen. Das sollte er schon von seinem Selbstverständnis her tun, aber auch aus Verantwortung seinen unterhaltspflichtigen Angehörigen in mehreren Generationen gegenüber.